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Wie wird Angst behandelt? – Wirksame therapeutische Ansätze

22. August 2026

Autorin: Lea Anthes

Angst gehört zum Menschsein dazu. In den vorherigen Beiträgen haben wir gesehen, dass Angst kein Zeichen von Schwäche ist, sondern ein uralter Schutzmechanismus unseres Gehirns. Sie warnt uns vor Gefahren, aktiviert unseren Körper und hilft uns dabei, schnell zu reagieren (mehr dazu hier). Problematisch wird Angst jedoch dann, wenn sie beginnt, unser Leben immer stärker einzuengen. Für manche Menschen zeigt sich das ganz schleichend. Sie fahren plötzlich nicht mehr mit dem Aufzug, vermeiden volle Supermärkte oder schieben wichtige Telefonate tagelang vor sich her. Andere verlassen das Haus nur noch mit einer Wasserflasche oder beobachten ihren Körper ständig auf Anzeichen von Schwindel, Herzrasen und anderen Beschwerden. Was zunächst wie kleine Vorsichtsmaßnahmen wirkt, kann mit der Zeit immer mehr Raum im Alltag einnehmen. Angst wird dann zum Problem, wenn sie unser Leben einengt und kontrolliert (lese hier mehr dazu). Betroffene berichten oft zu glauben, dass sie diese Angst nie wieder loswerden könnten. Glücklicherweise stimmt das nicht. Angststörungen gehören zu den psychischen Erkrankungen, die psychotherapeutisch besonders gut behandelbar sind. In diesem Beitrag wollen wir uns näher mit der Behandlung von Angststörungen befassen.

Wie wird Angst behandelt? – Wirksame therapeutische Ansätze

22. August 2026

Autorin: Lea Anthes

Angst gehört zum Menschsein dazu. In den vorherigen Beiträgen haben wir gesehen, dass Angst kein Zeichen von Schwäche ist, sondern ein uralter Schutzmechanismus unseres Gehirns. Sie warnt uns vor Gefahren, aktiviert unseren Körper und hilft uns dabei, schnell zu reagieren (mehr dazu hier). Problematisch wird Angst jedoch dann, wenn sie beginnt, unser Leben immer stärker einzuengen. Für manche Menschen zeigt sich das ganz schleichend. Sie fahren plötzlich nicht mehr mit dem Aufzug, vermeiden volle Supermärkte oder schieben wichtige Telefonate tagelang vor sich her. Andere verlassen das Haus nur noch mit einer Wasserflasche oder beobachten ihren Körper ständig auf Anzeichen von Schwindel, Herzrasen und anderen Beschwerden. Was zunächst wie kleine Vorsichtsmaßnahmen wirkt, kann mit der Zeit immer mehr Raum im Alltag einnehmen. Angst wird dann zum Problem, wenn sie unser Leben einengt und kontrolliert (lese hier mehr dazu). Betroffene berichten oft zu glauben, dass sie diese Angst nie wieder loswerden könnten. Glücklicherweise stimmt das nicht. Angststörungen gehören zu den psychischen Erkrankungen, die psychotherapeutisch besonders gut behandelbar sind. In diesem Beitrag wollen wir uns näher mit der Behandlung von Angststörungen befassen.

Raus aus dem Teufelskreis

Wir haben bereits gelernt, dass sich Angst oft durch einen sich selbst verstärkenden Kreislauf aufrechterhält. Der Teufelskreis beginnt mit einem Auslöser, zum Beispiel dem Aufzug als angstbesetztes Objekt oder dem beschleunigten Herzschlag. Beides kann von dem Gehirn als besonders bedrohlich bewertet werden, sodass der Körper weiter in Alarmzustand versetzt wird. Die Bewertung wird in der Behandlung von Angststörungen mit besonderem Fokus betrachtet, mit dem Ziel, diese so flexibel zu gestalten, dass erst gar keine große Kaskade der Angst losgetreten wird.

Um dem Teufelskreis zu entkommen, verwenden Betroffene verschiedene Strategien. Häufig sind Vermeidung oder die Anwendung von Sicherheitsverhalten (lese hier mehr darüber).

Beide Strategien helfen kurzfristig, die Angst zu reduzieren und fühlen sich daher sinnvoll an – genau darin liegt aber das Problem. Da unser Gehirn nicht lernt, dass die angstauslösende Situation eigentlich ungefährlich ist, wird die Angst bestätigt. Langfristig lernen wir die Botschaft: „Nur weil ich vermieden oder mich abgesichert habe, ist nichts passiert.“ . In der Psychologie sprechen wir von aufrechterhaltenden Faktoren psychischer Störungen. Doch es gibt einen anderen Ausgang aus dem Kreislauf der Angst.

Die kognitive Verhaltenstherapie

Die Psychotherapie behandelt psychische Störungen. Dabei gibt es verschiedene Verfahren, eines davon ist die sogenannte kognitive Verhaltenstherapie, kurz KVT. Die KVT gehört zu den am besten wissenschaftlich untersuchten und wirksamsten psychotherapeutischen Verfahren zur Behandlung von Angststörungen und wird in der deutschen S3-Leitlinie, den höchsten wissenschaftlich fundierten Behandlungsempfehlungen, als Goldstandard für die Behandlung sämtlicher Angststörungen angesehen. Bei 100Fears behandeln wir Angststörungen daher wissenschaftlich fundiert auch mittels KVT.

Die Grundidee der KVT hat direkten Bezug auf den Teufelskreis der Angst. Sie betont, dass nicht nur die Situationen selbst Angst auslösen, sondern vor allem auch die Art und Weise, wie wir diese bewerten und auf diese reagieren. Daher betrachtet die KVT Angst als Zusammenspiel aus Gedanken, Gefühlen, körperlichen Reaktionen und Verhalten. Die KVT geht davon aus, dass pathologische Angst durch Erfahrungen und den Umgang mit den Angstsymptomen erlernt ist und dass wir an ihrer Stelle auch wieder neue, korrigierende Erfahrungen machen können.

Die KVT betrachtet dafür alle Komponenten der Angst und hat typische Bestandteile für die Behandlung von Angststörungen. Dafür beginnt sie mit Folgendem:

Psychoedukation:

Das Ziel der Psychoedukation ist es, dass Patienten ihre Angst und deren Ursprung besser verstehen. Viele Betroffene erleben zum Beispiel körperliche Symptome als gefährlich. So ist ein sinnvoller erster Schritt, zu verstehen, woher diese Symptome kommen und welchen Zweck sie erfüllen (das haben wir euch hier erklärt).

Störungsmodell und Verhaltensanalysen:

Jeder Mensch hat andere Auslöser für seine Angst, andere Verhaltensweisen und Symptome. Die Verhaltensanalyse ist eine Methode, die Angst aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Gemeinsam schaut man sich individuelle Auslöser, Bewertungen, Reaktionen (zum Beispiel die körperlichen Symptome wie Herzrasen und Schwindel) an und bespricht, welche Konsequenzen das Verhalten des Patienten haben könnte. So wird individuelles Vermeidungs- und Sicherheitsverhalten identifiziert und das sich ergebende individuelle Störungsmodell wird die Grundlage der weitergehenden Behandlung.

Auf der Psychoedukation aufbauend umfasst die KVT weitere zentrale Bausteine, insbesondere die Arbeit an Gedanken und Bewertungen (kognitive Interventionen) sowie die Konfrontation mit angstauslösenden Situationen oder Reizen (Exposition). Beide Verfahren spielen eine Schlüsselrolle bei der Überwindung von Angststörungen und werden daher im Folgenden näher erläutert.

Das Kernstück der Behandlung: Die Exposition

An der Behandlung des Vermeidungs- und Sicherheitsverhaltens setzt der zentralste Bestandteil der kognitiven Verhaltenstherapie an: die sogenannte Exposition.

Exposition bedeutet, sich den angstauslösenden Situationen oder Körperempfindungen gezielt und schrittweise anzunähern, anstatt ihnen auszuweichen. Aber keine Sorge – das Vorgehen in der Therapie wird transparent gestaltet und gemeinsam geplant. Patienten sollen nicht ins kalte Wasser geworfen werden, sondern ihnen sollen neue Erfahrungen ermöglicht werden.

Betroffene denken meist, dass sich ihre Angst bis ins Unendliche steigern wird, wenn sie sich den angstbesetzten Situationen aussetzen. Wenn sie im Laufe der Therapie jedoch in der Situation bleiben, obwohl Angst auftritt, kann das Gehirn lernen, dass die befürchtete Katastrophe ausbleibt. Gleichzeitig entsteht eine weitere wichtige Erfahrung: Angst fühlt sich zwar unangenehm an, ist aber aushaltbar und klingt auch wieder ab, ohne dass man fliehen muss oder Sicherheitsverhalten anwenden muss. Je öfter die Angst auf diese Weise konfrontiert wird, desto schneller nimmt sie in zukünftigen Situationen ab, bis sie kaum noch eine Rolle spielt. Angst verändert sich also vor allem durch Erleben und nicht allein durch Nachdenken.

Die Art und Weise wie unser Gehirn Neues erlernt, kann man sich in etwa wie den Bau einer neuen Straße vorstellen. Verhaltensweisen, die oft verwendet wurden, sind in unserem Gehirn gut verknüpft. Die Weitergabe von relevanten Informationen erfolgt schnell, wie auf einer Autobahn. Eine angstauslösende Situation und Bewertung führt rasant zu körperlichen Angstsymptomen und zu Vermeidung, das Auto fährt sehr schnell von A nach B zu C. Möchten wir neue Verhaltensweisen erlernen, muss eine solche Autobahn erst gebaut werden. Am Anfang schlägt man sich vielleicht durch dickes Gestrüpp und bis ein Trampelpfad oder eine kleine Straße entstehen, braucht es Mühe und Konsistenz. Doch je öfters wir uns für diesen Weg entscheiden, desto breiter wird er und desto schneller und einfacher können wir uns auf der neuen Straße bewegen, bis diese auch zur Autobahn wird. Exposition lehrt uns, den neuen Weg zu gehen und diesen auszubauen. Ihr Ziel ist es nicht, Angst aus unserem Leben zu verbannen, sondern uns zu ermöglichen, schrittweise zu lernen, dass Angst nicht automatisch Gefahr bedeutet und dass wir sie auch in schwierigen Situationen bewältigen können.

Ein weiterer Behandlungsgrundstein: Die Rolle der Gedanken

Angst wird stark durch Bewertungen beeinflusst. Neben der Exposition sind die Betrachtung und Umdeutung der Gedanken daher ein weiteres wichtiges Element in der Behandlung von Angststörungen. Gedanken wie „Ich verliere die Kontrolle.“, „Ich halte das nicht aus.“ oder „Das ist lebensgefährlich.“ stehen meist zu Beginn der auftretenden Angst und machen auftretende Angstsymptome schlimmer, sie sind der Einstieg in den Teufelskreis. Ein kognitiver Verhaltenstherapeut möchte gemeinsam mit seinen Patienten hinterfragen, ob diese Gedanken der Realität entsprechen und sie realistisch überprüfen und einordnen. Zum Beispiel wird gemeinsam geschaut, wie wahrscheinlich die befürchtete Katastrophe ist oder welche Erfahrungen gegen deren Eintreten sprechen. Dabei geht es nicht darum, die Gedanken weg zu diskutieren, sondern zu lernen, was man diesen entgegensetzten könnte, sodass Betroffene flexibler mit negativen Bewertungen und Sorgen umgehen können. Von Fachpersonen wird dieser Prozess „kognitive Umstrukturierung“ genannt.

Auch hier verändert sich durch Wiederholung das neuronale Netzwerk im Gehirn. Gedanken, die häufig gedacht werden, stärken bestehende Verbindungen – ähnlich wie Wege, die immer wieder benutzt werden und dadurch zu breiten Straßen oder Autobahnen werden.

Die Rückfallprophylaxe: Erfolge langfristig sichern

Der letzte Therapieabschnitt befasst sich mit der Rückfallprophylaxe. Ziel ist es, erreichte Erfolge langfristig zu verfestigen und Rückfällen vorzubeugen. Gemeinsam wird erarbeitet, welche Strategien im Umgang mit der Angst besonders hilfreich waren und wie diese auch künftig angewendet werden können. Außerdem werden mögliche Risikosituationen identifiziert und Pläne entwickelt, wie Betroffene damit umgehen können, sollten Angstsymptome erneut auftreten. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass vorübergehende Angst oder einzelne Rückschläge normal sein können und ein ruhiger und selbstsicherer Umgang mit solchen Situationen langfristig gut möglich ist.

Ein neuer Umgang mit Angst: Die dritte Welle der KVT

Neben dem klassischen Vorgehen der KVT haben sich in den letzten Jahren moderne Ansätze entwickelt, die oft als Verfahren der „3. Welle“ bezeichnet werden und die KVT sinnvoll ergänzen können. Während die klassische KVT häufig darauf abzielt, belastende Gedanken zu hinterfragen und Verhalten aktiv zu verändern, legen diese Ansätze einen stärkeren Fokus auf Akzeptanz, Achtsamkeit und einen flexibleren Umgang mit inneren Erfahrungen. Statt gegen jeden unangenehmen Gedanken oder jedes körperliche Gefühl anzukämpfen, lernen Betroffene, diese Erfahrungen wahrzunehmen, ohne sich von ihnen bestimmen zu lassen.

Beispiele von Verfahren der dritten Welle sind:

  • Die Acceptance and Commitment Therapie arbeitet an der Akzeptanz der Angst als Emotion und legt den Fokus auf innere Werte als Grundlage eines zufriedenen Lebens.

  • Achtsamkeitsbasierte Verfahren ergänzen die KVT durch Methoden des Umgangs mit unangenehmen Gefühlen und Gedanken. Diese werden nicht als absolute Wahrheiten verstanden, sondern eher als mentale Ereignisse, die kommen und gehen können.

  • Compassion Focused Therapy (mitgefühlsbasierte Therapie) etabliert Alternativen zu innerer Strenge und Selbstkritik, die unserer Psyche sehr schaden können. Dabei betrachtet sie wohlwollend innere Anteile, die unser Handeln und Denken beeinflussen.

Raus aus dem Teufelskreis

Wir haben bereits gelernt, dass sich Angst oft durch einen sich selbst verstärkenden Kreislauf aufrechterhält. Der Teufelskreis beginnt mit einem Auslöser, zum Beispiel dem Aufzug als angstbesetztes Objekt oder dem beschleunigten Herzschlag. Beides kann von dem Gehirn als besonders bedrohlich bewertet werden, sodass der Körper weiter in Alarmzustand versetzt wird. Die Bewertung wird in der Behandlung von Angststörungen mit besonderem Fokus betrachtet, mit dem Ziel, diese so flexibel zu gestalten, dass erst gar keine große Kaskade der Angst losgetreten wird.

Um dem Teufelskreis zu entkommen, verwenden Betroffene verschiedene Strategien. Häufig sind Vermeidung oder die Anwendung von Sicherheitsverhalten (lese hier mehr darüber).

Beide Strategien helfen kurzfristig, die Angst zu reduzieren und fühlen sich daher sinnvoll an – genau darin liegt aber das Problem. Da unser Gehirn nicht lernt, dass die angstauslösende Situation eigentlich ungefährlich ist, wird die Angst bestätigt. Langfristig lernen wir die Botschaft: „Nur weil ich vermieden oder mich abgesichert habe, ist nichts passiert.“ . In der Psychologie sprechen wir von aufrechterhaltenden Faktoren psychischer Störungen. Doch es gibt einen anderen Ausgang aus dem Kreislauf der Angst.

Die kognitive Verhaltenstherapie

Die Psychotherapie behandelt psychische Störungen. Dabei gibt es verschiedene Verfahren, eines davon ist die sogenannte kognitive Verhaltenstherapie, kurz KVT. Die KVT gehört zu den am besten wissenschaftlich untersuchten und wirksamsten psychotherapeutischen Verfahren zur Behandlung von Angststörungen und wird in der deutschen S3-Leitlinie, den höchsten wissenschaftlich fundierten Behandlungsempfehlungen, als Goldstandard für die Behandlung sämtlicher Angststörungen angesehen. Bei 100Fears behandeln wir Angststörungen daher wissenschaftlich fundiert auch mittels KVT.

Die Grundidee der KVT hat direkten Bezug auf den Teufelskreis der Angst. Sie betont, dass nicht nur die Situationen selbst Angst auslösen, sondern vor allem auch die Art und Weise, wie wir diese bewerten und auf diese reagieren. Daher betrachtet die KVT Angst als Zusammenspiel aus Gedanken, Gefühlen, körperlichen Reaktionen und Verhalten. Die KVT geht davon aus, dass pathologische Angst durch Erfahrungen und den Umgang mit den Angstsymptomen erlernt ist und dass wir an ihrer Stelle auch wieder neue, korrigierende Erfahrungen machen können.

Die KVT betrachtet dafür alle Komponenten der Angst und hat typische Bestandteile für die Behandlung von Angststörungen. Dafür beginnt sie mit Folgendem:

Psychoedukation:

Das Ziel der Psychoedukation ist es, dass Patienten ihre Angst und deren Ursprung besser verstehen. Viele Betroffene erleben zum Beispiel körperliche Symptome als gefährlich. So ist ein sinnvoller erster Schritt, zu verstehen, woher diese Symptome kommen und welchen Zweck sie erfüllen (das haben wir euch hier erklärt).

Störungsmodell und Verhaltensanalysen:

Jeder Mensch hat andere Auslöser für seine Angst, andere Verhaltensweisen und Symptome. Die Verhaltensanalyse ist eine Methode, die Angst aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Gemeinsam schaut man sich individuelle Auslöser, Bewertungen, Reaktionen (zum Beispiel die körperlichen Symptome wie Herzrasen und Schwindel) an und bespricht, welche Konsequenzen das Verhalten des Patienten haben könnte. So wird individuelles Vermeidungs- und Sicherheitsverhalten identifiziert und das sich ergebende individuelle Störungsmodell wird die Grundlage der weitergehenden Behandlung.

Auf der Psychoedukation aufbauend umfasst die KVT weitere zentrale Bausteine, insbesondere die Arbeit an Gedanken und Bewertungen (kognitive Interventionen) sowie die Konfrontation mit angstauslösenden Situationen oder Reizen (Exposition). Beide Verfahren spielen eine Schlüsselrolle bei der Überwindung von Angststörungen und werden daher im Folgenden näher erläutert.

Das Kernstück der Behandlung: Die Exposition

An der Behandlung des Vermeidungs- und Sicherheitsverhaltens setzt der zentralste Bestandteil der kognitiven Verhaltenstherapie an: die sogenannte Exposition.

Exposition bedeutet, sich den angstauslösenden Situationen oder Körperempfindungen gezielt und schrittweise anzunähern, anstatt ihnen auszuweichen. Aber keine Sorge – das Vorgehen in der Therapie wird transparent gestaltet und gemeinsam geplant. Patienten sollen nicht ins kalte Wasser geworfen werden, sondern ihnen sollen neue Erfahrungen ermöglicht werden.

Betroffene denken meist, dass sich ihre Angst bis ins Unendliche steigern wird, wenn sie sich den angstbesetzten Situationen aussetzen. Wenn sie im Laufe der Therapie jedoch in der Situation bleiben, obwohl Angst auftritt, kann das Gehirn lernen, dass die befürchtete Katastrophe ausbleibt. Gleichzeitig entsteht eine weitere wichtige Erfahrung: Angst fühlt sich zwar unangenehm an, ist aber aushaltbar und klingt auch wieder ab, ohne dass man fliehen muss oder Sicherheitsverhalten anwenden muss. Je öfter die Angst auf diese Weise konfrontiert wird, desto schneller nimmt sie in zukünftigen Situationen ab, bis sie kaum noch eine Rolle spielt. Angst verändert sich also vor allem durch Erleben und nicht allein durch Nachdenken.

Die Art und Weise wie unser Gehirn Neues erlernt, kann man sich in etwa wie den Bau einer neuen Straße vorstellen. Verhaltensweisen, die oft verwendet wurden, sind in unserem Gehirn gut verknüpft. Die Weitergabe von relevanten Informationen erfolgt schnell, wie auf einer Autobahn. Eine angstauslösende Situation und Bewertung führt rasant zu körperlichen Angstsymptomen und zu Vermeidung, das Auto fährt sehr schnell von A nach B zu C. Möchten wir neue Verhaltensweisen erlernen, muss eine solche Autobahn erst gebaut werden. Am Anfang schlägt man sich vielleicht durch dickes Gestrüpp und bis ein Trampelpfad oder eine kleine Straße entstehen, braucht es Mühe und Konsistenz. Doch je öfters wir uns für diesen Weg entscheiden, desto breiter wird er und desto schneller und einfacher können wir uns auf der neuen Straße bewegen, bis diese auch zur Autobahn wird. Exposition lehrt uns, den neuen Weg zu gehen und diesen auszubauen. Ihr Ziel ist es nicht, Angst aus unserem Leben zu verbannen, sondern uns zu ermöglichen, schrittweise zu lernen, dass Angst nicht automatisch Gefahr bedeutet und dass wir sie auch in schwierigen Situationen bewältigen können.

Ein weiterer Behandlungsgrundstein: Die Rolle der Gedanken

Angst wird stark durch Bewertungen beeinflusst. Neben der Exposition sind die Betrachtung und Umdeutung der Gedanken daher ein weiteres wichtiges Element in der Behandlung von Angststörungen. Gedanken wie „Ich verliere die Kontrolle.“, „Ich halte das nicht aus.“ oder „Das ist lebensgefährlich.“ stehen meist zu Beginn der auftretenden Angst und machen auftretende Angstsymptome schlimmer, sie sind der Einstieg in den Teufelskreis. Ein kognitiver Verhaltenstherapeut möchte gemeinsam mit seinen Patienten hinterfragen, ob diese Gedanken der Realität entsprechen und sie realistisch überprüfen und einordnen. Zum Beispiel wird gemeinsam geschaut, wie wahrscheinlich die befürchtete Katastrophe ist oder welche Erfahrungen gegen deren Eintreten sprechen. Dabei geht es nicht darum, die Gedanken weg zu diskutieren, sondern zu lernen, was man diesen entgegensetzten könnte, sodass Betroffene flexibler mit negativen Bewertungen und Sorgen umgehen können. Von Fachpersonen wird dieser Prozess „kognitive Umstrukturierung“ genannt.

Auch hier verändert sich durch Wiederholung das neuronale Netzwerk im Gehirn. Gedanken, die häufig gedacht werden, stärken bestehende Verbindungen – ähnlich wie Wege, die immer wieder benutzt werden und dadurch zu breiten Straßen oder Autobahnen werden.

Die Rückfallprophylaxe: Erfolge langfristig sichern

Der letzte Therapieabschnitt befasst sich mit der Rückfallprophylaxe. Ziel ist es, erreichte Erfolge langfristig zu verfestigen und Rückfällen vorzubeugen. Gemeinsam wird erarbeitet, welche Strategien im Umgang mit der Angst besonders hilfreich waren und wie diese auch künftig angewendet werden können. Außerdem werden mögliche Risikosituationen identifiziert und Pläne entwickelt, wie Betroffene damit umgehen können, sollten Angstsymptome erneut auftreten. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass vorübergehende Angst oder einzelne Rückschläge normal sein können und ein ruhiger und selbstsicherer Umgang mit solchen Situationen langfristig gut möglich ist.

Ein neuer Umgang mit Angst: Die dritte Welle der KVT

Neben dem klassischen Vorgehen der KVT haben sich in den letzten Jahren moderne Ansätze entwickelt, die oft als Verfahren der „3. Welle“ bezeichnet werden und die KVT sinnvoll ergänzen können. Während die klassische KVT häufig darauf abzielt, belastende Gedanken zu hinterfragen und Verhalten aktiv zu verändern, legen diese Ansätze einen stärkeren Fokus auf Akzeptanz, Achtsamkeit und einen flexibleren Umgang mit inneren Erfahrungen. Statt gegen jeden unangenehmen Gedanken oder jedes körperliche Gefühl anzukämpfen, lernen Betroffene, diese Erfahrungen wahrzunehmen, ohne sich von ihnen bestimmen zu lassen.

Beispiele von Verfahren der dritten Welle sind:

  • Die Acceptance and Commitment Therapie arbeitet an der Akzeptanz der Angst als Emotion und legt den Fokus auf innere Werte als Grundlage eines zufriedenen Lebens.

  • Achtsamkeitsbasierte Verfahren ergänzen die KVT durch Methoden des Umgangs mit unangenehmen Gefühlen und Gedanken. Diese werden nicht als absolute Wahrheiten verstanden, sondern eher als mentale Ereignisse, die kommen und gehen können.

  • Compassion Focused Therapy (mitgefühlsbasierte Therapie) etabliert Alternativen zu innerer Strenge und Selbstkritik, die unserer Psyche sehr schaden können. Dabei betrachtet sie wohlwollend innere Anteile, die unser Handeln und Denken beeinflussen.

Fazit

Angst kann das Leben stark einengen, doch sie ist gut behandelbar. Die kognitive Verhaltenstherapie hilft dabei, Ängste besser zu verstehen, Vermeidung zu durchbrechen und Schritt für Schritt neue Erfahrungen zu machen. Dabei geht es nicht darum, nie wieder Angst zu haben, sondern sich von ihr nicht länger bestimmen zu lassen. Bei 100Fears behandeln wir Ängste alltagsnah, transparent und durch wissenschaftlich fundierte Verfahren. Vereinbare jetzt ein Erstgespräch und wir helfen Dir dabei, dich wieder frei zu fühlen!

Autorin

Lea Anthes
Psychologin M. Sc., Psycho­logische Psychotherapeutin in Ausbildung, Bloggerin bei 100Fears

Fachlich geprüft von

Marco Schneider
Psychologe, M. Sc., ­Psycho­logischer Psychotherapeut, Inhaber
Textquellen

Deutsche S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen. 
Bandelow, B.; Wiltink, J.; Alpers, G. W.; Benecke, C.; Deckert, J.; Eckhardt-Henn, A.; Ehrig, C., Engel, E.; Falkai, P.; Geiser, F.; Gerlach, A.L.; Harfst, T.; Hau, S.; Joraschky, P.; Kellner, M.; Köllner, V.; Kopp, I.; Langs, G.; Lichte, T.; Liebeck, H.; Matzat, J.; Reitt, M.; Rüddel, H.P.; Rudolf, S.; Schick, G.; Schweiger, U.; Simon, R.; Springer, A.; Staats, H., Ströhle, A.; Ströhm, W.; Waldherr, B.; Watzke, B.; Wedekind, D.; Zottl, C.; Zwanzger, P.; Beutel, M.E. (2014).
Www.awmf.org/leitlinien.html.

Angst: Emotionsarbeit in der Psychotherapie.
Diegelmann, C. & Isermann, M. (2022). (1. Aufl.). Beltz.

Klinische Psychologie & Psychotherapie.
Hoyer, J. & 
Knappe, S. (Hrsg.). (2020).(3., vollst. überarb. Aufl.). Springer.

Leitlinienorientierte Psychotherapie.
Rief, W., Hautzinger, M., Lincoln, T., Margraf, J. & Tuschen-Caffier, B. (2024). (1. Aufl.). Hogrefe.

Wissenschaftlich
fundierte Selbsthilfe­literatur

Das Angstbuch: Woher Ängste kommen und wie man sie bekämpfen kann.
Bandelow, B. (2020). (14. Aufl., rororo, Bd. 61949). Rowohlt Taschenbuch Verlag.

Mit Ängsten und Sorgen erfolgreich umgehen: Ein Ratgeber für den achtsamen Weg in ein erfülltes Leben mit Hilfe von ACT.
Forsyth, J. P. & Eifert, G. H. (2018). (2. Aufl.). Hogrefe.

Keine Panik vor der Angst! Angsterkrankungen verstehen und besiegen.
Ströhle, A. & Plag, J. (2020). (1. Aufl.). Kailash.

Ängste verstehen und überwinden: Wie Sie sich von Angst, Panik und Phobien befreien.
Wolf, D. (2018). (33. Aufl.). PAL.

Diese und viele weitere Bücher stehen in den Praxen von 100Fears für Sie zur Ausleihe bereit.


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